Ev. Kirche Budenheim

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Evangelisch aus gutem Grund
Kirche und Sport
weiter-gedacht
Das Kirchenjahr
Andacht zur Monatslosung (Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschland)

Evangelisch aus gutem Grund  

Die Evangelische Kirche heute: Profil mit Standpunkt
 
Menschen bleiben nicht allein.
Menschen entdecken sich und andere
und finden dabei viel mehr:
bewegen, überzeugen, begeistern.
 
Freiheit
evangelisch aus gutem Grund - jeder Mensch muß sich selbst ein Urteil bilden. Das eigene Gewissen bleibt letzte Instanz vor Gott und den Mitmenschen. Freiheit wächst aus Einsicht. Mit Gott hat jeder Mensch gute Möglichkeiten im Leben. Solcher Glaube macht stark und gibt Freiheit - innere und äußere.
 
Verantwortung
evangelisch aus gutem Grund - deutlich machen, worum es geht. Hinschauen und aufklären, zuhören und trösten, zupacken und Neues schaffen, nicht aus Selbstzweck, sondern begründet im Evangelium. Verantwortung übernehmen - ohne Überforderung und Zwang.
 
Entscheidung
evangelisch aus gutem Grund - lebendiger Glaube mit Freude und Dankbarkeit. Tatkraft und Engagement. Bewußt Entscheidungen treffen und offen sein für Neues - einer besseren Zukunft wegen.
 
Vielfalt
evangelisch aus gutem Grund - das sind Kirchen und Gemeinden, Initiativen und Einrichtungen, Kindergärten und Krankenhäuser. Menschen, die etwas tun, die glauben und handeln. Das schließt Irrtümer und Diskussionen ein. Vor allem aber positive Veränderung.
 


Kirche & Sport

FußballIn einer gemeinsamen Erklärung haben beide großen christlichen Kirchen in Deutschland 1990 unter dem Titel „Sport und christliches Ethos“ eine Handreichung herausgegeben, die dem Gespräch zwischen Kirche und Sport Impulse geben soll. Dabei war vor allem daran gedacht, die Kontakte zwischen den Kirchengemeinden und den Sportvereinen zu stärken, da „beide Institutionen den Menschen begleiten und in guter Partnerschaft versuchen, ihn zum Heile zu führen“.
Damit wurde bereits im Vorwort Entscheidendes gesagt. Der Mensch soll zum Heil geführt werden. Sollte dies aber heißen, dass die beiden Institutionen Kirche und Sportverbände das gleiche Ziel haben: den Menschen zum Heil zu führen? Und wenn ja, was bedeutet dann Heil? Wie sehen das die Sportverbände? Finden wir hier das gleiche Verständnis von Heil wieder wie es in den Kirchen verstanden wird? Was ist mit den Menschen, die keiner Kirche angehören und im Sport sich engagieren? Finden wir hier nicht die Tendenz, Unterschiede zu verwischen und zu harmonisieren, vielleicht sogar ein Versuch der unüberlegten vorschnellen Verbrüderung, gar Vereinnahmung des Sportes und ihrer Mitglieder für kirchliche Ziele?
Heil war Jahrhunderte lang definiert als „Seelenheil“ und das lag ganz klar in der Kompetenz der Kirchen. Der christliche Glaube hatte Jahrhunderte lang nie den Leib im Blick. Der Leib diente lediglich als vorübergehende Notbehausung für das künftige Seelenheil. Darum musste er gezüchtigt werden, er durfte sogar gegeißelt und vernachlässigt werden. Es ging ja letztlich nur ums Seelenheil. Die Sorge um den Leib war den Kirchentreuen immer verdächtig für Götzendienst.
In den vergangenen hundert Jahren haben die Kirchen hier entscheidende Impulse aus den kirchlichen Jugendbewegungen bekommen. Dort wurde schon immer der Sport gepflegt als ein Teil des Freizeitprogramms neben der geistlichen Schulung durch Bibelarbeiten und der Pflege der Gemeinschaft. Kräfte messen, Kräfte ausprobieren, Siegen und Verlieren, Sich-einsetzen und Sich-zurücknehmen, Fairness und Rücksichtnahme, aber auch dem Gegner standhalten: das waren wesentliche Momente, die gelernt wurden und die sich für viele prägend auswirkten. Der Sport hatte eine große Integrationskraft, denn hier kamen noch einmal andere Qualitäten und Fähigkeiten ins Spiel als der sonst so verkopft gelebte christliche Glaube.

Hörte man noch von 30 Jahren bei vielen Menschen im mittleren Lebensalter: „Ich brauche keinen Sport (gemeint war der Vereinssport); ich habe Sport den ganzen Tag (gemeint war die Hausarbeit mit Bücken, Strecken, Treppenlaufen...)!“, so sehe ich heute viele Budenheimer aller Altersstufen in irgendeiner Weise sich sportlich betätigen, sei es im Fitness-Center zum Muskelaufbau oder Stressabbau oder walkend im Lennebergwald oder am Rhein, animiert durch frühe Sport-Erfahrungen in der Kindheitsfamilie oder durch den Arzt empfohlen.
Auch das Budenheimer Abspeck-Programm hat immer einen Anteil Sport vorgesehen. Fast alle meiner diesjährigen Konfirmanden und Konfirmandinnen betreiben in irgendeiner Weise Sport. Ich finde es beeindruckend, welch breites Aspektrum an sportlichen Möglichkeiten Budenheim zu bieten hat. Und wem dies nicht reicht, kann zum Tanzen nach Mainz gehen.
Ganz von selbst und natürlich hat sich der Begriff „Heil“ gewandelt. Die Menschen selbst haben ihn verändert und ihm eine umfassende Bedeutung gegeben. Heil ganzheitlich gesehen hat den ganzen Menschen im Blick, nicht nur die Seele, sondern auch Körper und Geist. Darum: wenn wir durch und mit Sport unserem Körper etwas Gutes tun, dann tun wir uns insgesamt etwas Gutes. Wenn der Psalmist, dessen Leidenschaft im Singen besteht, u. a. sagt: Lobt Gott mit Harfen und Saitenspiel, dann kann man durchaus auch sagen: Lobt Gott mit dem Marathon, preist ihn mit einem schwungvollen Stabhochsprung. Schwingt euch aufs Fahrrad und lasst euch den Wind um die Ohren blasen. Lobt ihn, auch wenn euch anschließend die Mücken im Haar hängen.
Die Kirchen haben gelernt, dass die Körperfeindlichkeit in ein vergangenes Jahrhundert gehört. Menschen, die gerne in die Kirche gehen, sind u. U. auch gerne sportlich aktiv. Dazu gehört auch, die Kinder dort hin zu fahren und zu begleiten, wo an Turnieren teilnehmen. Die Kirchen weisen aber auch auf den Missbrauch hin und erheben da mit Recht den Zeigefinger, wo junge Menschen ausgebeutet werden, geopfert werden auf dem Altar der Medaillen, die ein Stück Kindheit und Jugend verlieren, weil sie zu stark auf Leistung getrimmt werden. Und die Kirchen möchten, dass es fair zugeht, dass Gegner sich hinterher nicht verprügeln, dass Schwarze nicht diskriminiert werden. „Die Welt zu Gast bei Freunden“, das könnte auch ein christliches Motto sein.
Unser Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker hat im Pastoralkolleg vor Pfarrern und Leistungssportlern festgestellt: „Vieles von dem, was ich später in meinem Leben brauchte, habe ich im Sport gelernt.“ Und er legt dabei Wert auf das praktizierte Evangelium, welches uns Luther deutlich machte: wir sind gerechtfertigt aus Glauben allein, darum gibt es immer wieder neue Chancen, darum kannst du immer wieder aufstehen und neu anfangen. Ich denke, dass nicht zuletzt diesen Gedanken die Kirchen und die Sportverbände miteinander teilen, wenn jeder es auch auf seine Weise und anders ausdrückt.

Pfarrerin Angelika Thonipara


weiter-gedacht


Die Geschichte eines Jungen, der immer alles falsch machte -
in den Augen der Eltern

Er gehört zu denen, die immer versucht haben, es allen recht zu machen. Als Kind merkte er sehr früh, daß er nützlich sein mußte. Aber was immer er tat, es war falsch, zumindest in den Augen seiner Eltern. Die gingen beide zur Arbeit, er war allein zu Haus. Einmal, da war er sieben Jahre alt, hat er sich eine Pizza in den Backofen geschoben, und er war stolz, daß er sich so ganz alleine versorgen konnte. Aber abends hat ihn der Vater verhauen: "Mach das nicht nochmal", hat er geschrien, "so dumm, wie du bist, zündest du uns noch die Wohnung an." Warum der Vater so etwas sagte, hat er nicht verstanden; denn die Pizza war ihm gut gelungen, und er hatte auch nicht vergessen, den Backofen wieder abzuschalten. Er blieb der Sündenbock der Familie, als einziges Kind mußte er für alles herhalten, auch für die schlechten Launen seiner Eltern, die meistens frustriert und wütend von der Arbeit nach Hause kamen.
Heute ist der Junge siebzehn Jahre alt, und er erinnert sich an ein - wie er sagt - Leben in der Abstellkammer. "Sie haben mich wie einen Besen herausgeholt, wenn sie mich brauchten, und wieder zurückgestellt, wenn sie mich nicht brauchten."
Er war sehr einsam. Und wenn die Eltern auf ihn einprügelten, dann machte sich Verzweiflung in seiner Seele breit. Deshalb ist er abgehauen. Einfach weg von zu Hause, dachte er. Aber spätestens am Bahnhof schnappte ihn die Polizei und brachte ihn zurück. Gefragt, warum er immer von zu Hause abhauen will, haben sie ihn nicht.
Später dann wurde das Leben in der Abstellkammer ein bißchen gemütlicher. Die Eltern holten den herzkranken Opa ins Haus. Und weil der Junge sowieso keine Freunde hatte, könnte er doch den Opa pflegen, damit er was anständiges zu tun hat. Der Junge pflegte den Opa, er liebte ihn sogar. Und als der Opa eines Tages, da war der Junge gerade zehn Jahre alt, einen schweren Herzanfall erlitt, rief er den Notarzt, er machte alles richtig, wie ein Erwachsener behielt er die Übersicht und einen klaren Kopf. Er wäre gerne mit ins Krankenhaus gefahren, hätte dem Opa die Hand gehalten, aber die Sanitäter sagten: "Bleib zu Hause. Intensivstation, das ist nichts für Kinder."
Abends kamen die Eltern. "Wo ist der Opa ?" schrie der Vater. Der Junge erklärte den Vorfall und war, wie damals bei der Pizza, sogar ein bißchen stolz, daß er alles so gut geregelt hatte. Aber der Vater schlug auf ihn ein, er, der üble Kerl, habe den Opa einfach alleine gelassen. Am nächsten Tag riefen sie aus dem Krankenhaus an und sagten, daß der Opa gestorben sei. "Schluß jetzt" brüllten die Eltern, "du bist schuld" und steckten den Sündenbock in ein Heim. Das war einen Tag vor seinem elften Geburtstag. Die Eltern fuhren weg und gratulierten ihm noch nicht einmal. Er, der Junge, fragte sich an diesem Tag: "Wozu bin ich überhaupt geboren ?"
Im Heim hat es dem Jungen nicht gefallen. Es erinnerte ihn an die Abstellkammer, und deshalb lief er weg. Er tauchte unter, lebte auf der Straße, klaute Autos, verdiente sein Geld auf dem Strich. Er machte es jetzt keinem mehr recht - und der Jugendrichter sagte: "Du mußt wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft werden."
Es sollte eine erzieherische Maßnahme für jugendliche Straftäter sein, als man ihn in einen kleinen Ort nach Griechenland schickte. Der Junge mußte hart arbeiten. Er strich die Häuser mit Kalk, erntete Wein und Oliven und baute Schränke und Betten. Die Leute im Dorf schauten ihm zu und fragten voller Bewunderung: "Warum baust du so schöne Schränke und Betten ?" Der Junge war stolz, und heutesteht in fast jedem Haus in diesem griechischen Dorf ein Schrank oder ein Bett von ihm. Eine Familie hat ihn aufgenommen. "Du bist unser Sohn", haben sie gesagt, und sie schenkten ihm ein kleines zerfallenes Haus unter Olivenbäumen. So wurde aus dem Jungen ein junger Mann.
Jetzt lebt er wieder in Deutschland. Der Richter hat ihm seine Jugendsünden erlassen. Seine Eltern haben ihm geschrieben, er dürfe wieder nach Hause kommen, weil er ein nützliches Mitglied der Gesellschaft geworden sei. Er wird sie besuchen, sagt er, und er wird wieder nach Hause gehen, eines Tages, dorthin, wo die Menschen ihm vertraut haben, nach Griechenland.
 
(Doris Weber in Publik-Forum, Zeitschrift für kritische Christen 1998)