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Evangelische Kirchengemeinde Budenheim online
Glaube
Evangelisch aus gutem Grund
weiter-gedacht
Das Kirchenjahr
Geistliche Impulse zur Jahreslosung 2012:
Jesus Christus spricht:Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9)
Andacht zur Monatslosung (Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschland)
Die Evangelische Kirche heute: Profil mit Standpunkt
Menschen bleiben nicht allein.
Menschen entdecken sich und andere
und finden dabei viel mehr:
bewegen, überzeugen, begeistern.
Freiheit
evangelisch aus gutem Grund - jeder Mensch muß sich selbst
ein Urteil bilden. Das eigene Gewissen bleibt letzte Instanz vor Gott
und den Mitmenschen. Freiheit wächst aus Einsicht. Mit Gott hat jeder
Mensch gute Möglichkeiten im Leben. Solcher Glaube macht stark und
gibt Freiheit - innere und äußere.
Verantwortung
evangelisch aus gutem Grund - deutlich machen, worum es geht. Hinschauen
und aufklären, zuhören und trösten, zupacken und Neues
schaffen, nicht aus Selbstzweck, sondern begründet im Evangelium.
Verantwortung übernehmen - ohne Überforderung und Zwang.
Entscheidung
evangelisch aus gutem Grund - lebendiger Glaube mit Freude und
Dankbarkeit. Tatkraft und Engagement. Bewußt Entscheidungen treffen
und offen sein für Neues - einer besseren Zukunft wegen.
Vielfalt
evangelisch aus gutem Grund - das sind Kirchen und Gemeinden, Initiativen
und Einrichtungen, Kindergärten und Krankenhäuser. Menschen,
die etwas tun, die glauben und handeln. Das schließt Irrtümer
und Diskussionen ein. Vor allem aber positive Veränderung.

Die Geschichte eines Jungen, der immer alles falsch machte -
in den Augen der Eltern
Er gehört zu denen, die immer versucht haben, es allen recht zu machen.
Als Kind merkte er sehr früh, daß er nützlich sein mußte.
Aber was immer er tat, es war falsch, zumindest in den Augen seiner Eltern.
Die gingen beide zur Arbeit, er war allein zu Haus. Einmal, da war er
sieben Jahre alt, hat er sich eine Pizza in den Backofen geschoben, und
er war stolz, daß er sich so ganz alleine versorgen konnte. Aber
abends hat ihn der Vater verhauen: "Mach das nicht nochmal", hat er geschrien,
"so dumm, wie du bist, zündest du uns noch die Wohnung an." Warum
der Vater so etwas sagte, hat er nicht verstanden; denn die Pizza war
ihm gut gelungen, und er hatte auch nicht vergessen, den Backofen wieder
abzuschalten. Er blieb der Sündenbock der Familie, als einziges Kind
mußte er für alles herhalten, auch für die schlechten
Launen seiner Eltern, die meistens frustriert und wütend von der
Arbeit nach Hause kamen.
Heute ist der Junge siebzehn Jahre alt, und er erinnert sich an ein -
wie er sagt - Leben in der Abstellkammer. "Sie haben mich wie einen Besen
herausgeholt, wenn sie mich brauchten, und wieder zurückgestellt,
wenn sie mich nicht brauchten."
Er war sehr einsam. Und wenn die Eltern auf ihn einprügelten, dann
machte sich Verzweiflung in seiner Seele breit. Deshalb ist er abgehauen.
Einfach weg von zu Hause, dachte er. Aber spätestens am Bahnhof schnappte
ihn die Polizei und brachte ihn zurück. Gefragt, warum er immer von
zu Hause abhauen will, haben sie ihn nicht.
Später dann wurde das Leben in der Abstellkammer ein bißchen
gemütlicher. Die Eltern holten den herzkranken Opa ins Haus. Und
weil der Junge sowieso keine Freunde hatte, könnte er doch den Opa
pflegen, damit er was anständiges zu tun hat. Der Junge pflegte den
Opa, er liebte ihn sogar. Und als der Opa eines Tages, da war der Junge
gerade zehn Jahre alt, einen schweren Herzanfall erlitt, rief er den Notarzt,
er machte alles richtig, wie ein Erwachsener behielt er die Übersicht
und einen klaren Kopf. Er wäre gerne mit ins Krankenhaus gefahren,
hätte dem Opa die Hand gehalten, aber die Sanitäter sagten:
"Bleib zu Hause. Intensivstation, das ist nichts für Kinder."
Abends kamen die Eltern. "Wo ist der Opa ?" schrie der Vater. Der Junge
erklärte den Vorfall und war, wie damals bei der Pizza, sogar ein
bißchen stolz, daß er alles so gut geregelt hatte. Aber der
Vater schlug auf ihn ein, er, der üble Kerl, habe den Opa einfach
alleine gelassen. Am nächsten Tag riefen sie aus dem Krankenhaus
an und sagten, daß der Opa gestorben sei. "Schluß jetzt" brüllten
die Eltern, "du bist schuld" und steckten den Sündenbock in ein Heim.
Das war einen Tag vor seinem elften Geburtstag. Die Eltern fuhren weg
und gratulierten ihm noch nicht einmal. Er, der Junge, fragte sich an
diesem Tag: "Wozu bin ich überhaupt geboren ?"
Im Heim hat es dem Jungen nicht gefallen. Es erinnerte ihn an die Abstellkammer,
und deshalb lief er weg. Er tauchte unter, lebte auf der Straße,
klaute Autos, verdiente sein Geld auf dem Strich. Er machte es jetzt keinem
mehr recht - und der Jugendrichter sagte: "Du mußt wieder ein nützliches
Mitglied der Gesellschaft werden."
Es sollte eine erzieherische Maßnahme für jugendliche Straftäter
sein, als man ihn in einen kleinen Ort nach Griechenland schickte. Der
Junge mußte hart arbeiten. Er strich die Häuser mit Kalk, erntete
Wein und Oliven und baute Schränke und Betten. Die Leute im Dorf
schauten ihm zu und fragten voller Bewunderung: "Warum baust du so schöne
Schränke und Betten ?" Der Junge war stolz, und heutesteht in fast
jedem Haus in diesem griechischen Dorf ein Schrank oder ein Bett von ihm.
Eine Familie hat ihn aufgenommen. "Du bist unser Sohn", haben sie gesagt,
und sie schenkten ihm ein kleines zerfallenes Haus unter Olivenbäumen.
So wurde aus dem Jungen ein junger Mann.
Jetzt lebt er wieder in Deutschland. Der Richter hat ihm seine Jugendsünden
erlassen. Seine Eltern haben ihm geschrieben, er dürfe wieder nach
Hause kommen, weil er ein nützliches Mitglied der Gesellschaft geworden
sei. Er wird sie besuchen, sagt er, und er wird wieder nach Hause gehen,
eines Tages, dorthin, wo die Menschen ihm vertraut haben, nach Griechenland.
(Doris Weber in Publik-Forum,
Zeitschrift für kritische Christen 1998)
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